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Bull Bitcoin ergänzt Payjoin-Datenschutz für Börsentransaktionen

Gestern, 18:12
Bull Bitcoin ergänzt Payjoin-Datenschutz für Börsentransaktionen

Wichtige Punkte

  • Bull Bitcoin zufolge ist das Unternehmen die erste Bitcoin-Börse, die Payjoin-Ein- und -Auszahlungen anbietet.
  • On-Chain-Trades über die BULL Wallet nutzen standardmäßig Payjoin.
  • Das Protokoll soll Transaktionsmuster verschleiern und kann dabei helfen, Wallet-Ausgaben im Laufe der Zeit zusammenzuführen.

Bull Bitcoin weitet Payjoin auf Börsenaktivitäten aus

Bull Bitcoin hat bekannt gegeben, dass die Börse Payjoin für Bitcoin-Ein- und -Auszahlungen unterstützt. Das Unternehmen bezeichnet sich als erste Bitcoin-Börse, die diese Optionen anbietet. Außerdem führte es den standardmäßigen Einsatz von Payjoin beim Handel ein: Dabei nutzen geeignete On-Chain-Käufe und -Verkäufe über die BULL Wallet das Datenschutzprotokoll automatisch. Mit der Ankündigung wird Payjoin von einer Wallet-Funktion auf Börsenaktivitäten ausgeweitet. Die Behauptung, weltweit das erste Unternehmen zu sein, stammt jedoch von Bull Bitcoin selbst.

Bull Bitcoin wurde 2013 in Kanada von Francis Pouliot gegründet und bezeichnet sich als reine Bitcoin-Börse. Das Unternehmen gibt an, Kunden in Kanada, Europa und Lateinamerika zu bedienen. Die Plattform ist nicht verwahrend: Kunden können Bitcoin direkt in ihre eigene Wallet kaufen und Bitcoin auf ein Bankkonto verkaufen. Das Unternehmen entwickelt außerdem die kostenlose, quelloffene und selbstverwahrende Bitcoin-Wallet BULL Wallet. Nach eigenen Angaben finanziert es sich seit seiner Gründung selbst.

Diese nicht-verwahrende Struktur ist zentral für die Ankündigung. Bull Bitcoin sagt, dass bei jedem Börsenhandel eine On-Chain-Transaktionsspur entsteht. Ein Handel ist somit im Bitcoin-Netzwerk sichtbar, obwohl die Kunden ihre Coins selbst verwahren. Die neue Integration soll ändern, welche Rückschlüsse Beobachter aus dieser Spur ziehen können. Sie lässt Transaktionen nicht verschwinden; vielmehr verändert Payjoin Transaktionsmuster, die Chain-Analyse-Tools häufig als Hinweise auf die Aktivitäten eines Absenders deuten.

Wie Payjoin Transaktionsmuster verändert

Payjoin ist ein On-Chain-Datenschutzprotokoll für Bitcoin, das zwischen den Beteiligten einen Off-Chain-Koordinierungsschritt einfügt. Der Quelle zufolge soll es Annahmen infrage stellen, etwa dass ein Transaktionsoutput als Wechselgeld gilt, das an den Absender zurückgeht. Außerdem kann Payjoin die Beträge, die gesendet und zurückgegeben werden, weniger aussagekräftig für die Absichten der Nutzer machen. Da Bitcoin-Transaktionsbeträge öffentlich sind, kann es durch veränderte Muster schwieriger werden, eine Zahlung mit einem bestimmten Zweck in Verbindung zu bringen.

Der von Bull Bitcoin beschriebene Nutzen des Protokolls beschränkt sich nicht darauf, zu verschleiern, ob ein Output Wechselgeld ist. Das Unternehmen sagt, Payjoin könne glatte Transaktionsbeträge und die Wiederverwendung von Adressen reduzieren und es Außenstehenden dadurch erschweren, den Fiatwert einer Zahlung einzuschätzen. Die Quelle weist außerdem darauf hin, dass öffentliche Beträge Hinweise auf finanzielle Gewohnheiten preisgeben können, darunter Gehaltsinformationen oder ein Muster wie den Durchschnittskosteneffekt. Dabei handelt es sich um mögliche Rückschlüsse, nicht um Informationen, deren Geheimhaltung Payjoin garantiert.

Payjoin erfordert keine Änderungen an den Konsensregeln von Bitcoin – weder durch eine Hard Fork noch durch eine Soft Fork. Stattdessen müssen Wallets und Börsen die Funktion übernehmen, damit sie breiter genutzt werden kann. Laut Quelle können einzelne Nutzer davon profitieren, ohne auf die netzwerkweite Einführung zu warten. Eine breitere Teilnahme kann zugleich die Zuverlässigkeit von Heuristiken zu gemeinsamen Inputs und Wechselgeld-Ausgaben verringern. Dieser Unterschied ist wichtig: Die Einführung kann die Reichweite des Protokolls vergrößern, doch die Funktion kann auch einzelnen Nutzern bereits nützen.

Die Standardeinstellung verbindet Datenschutz und Wallet-Verwaltung

Bei der Standardeinstellung wird für Nutzer der BULL Wallet, die über die integrierte Börse der Wallet Bitcoin on-chain kaufen oder verkaufen, eine Payjoin-Transaktion ausgeführt. Bull Bitcoin zufolge entfällt dadurch für Kunden die Notwendigkeit, bei solchen Geschäften den Datenschutzschritt manuell einzuleiten. Die automatische Umsetzung könnte die Funktion auch Menschen zugänglicher machen, denen nicht bewusst ist, wie sich die Gestaltung von Transaktionen auf den Datenschutz auswirkt. In der Ankündigung werden jedoch weder Ausnahmen genannt noch Einzelheiten dazu erläutert, wie jede Transaktion abgewickelt wird.

Das Unternehmen stellt Payjoin-by-default außerdem als Möglichkeit dar, Wallet-Ausgänge, sogenannte UTXOs, zu verwalten. Der Erklärung zufolge können Nutzer regelmäßig Coins an eine neue Adresse senden, um Ausgänge zusammenzuführen oder zu konsolidieren. Dadurch können Größe und Kosten späterer Transaktionen sinken. Payjoin soll diese Art der Zusammenführung im Zusammenhang mit Wallet-Transaktionen automatisieren. Ein möglicher Gebührenvorteil ist allerdings nur perspektivisch: Die Quelle beschreibt potenziell niedrigere Mining-Gebühren bei künftigen Transaktionen, aber keine garantierte Ersparnis bei jeder Transaktion.

Bull Bitcoin stellt einen Zusammenhang zwischen dieser Verwendung auf Wallet-Ebene und Auswirkungen auf das gesamte Netzwerk her. Laut dem Unternehmen kann eine Verkleinerung des Bitcoin-UTXO-Sets den Betrieb eines Nodes erleichtern und den Gebührendruck für Nutzer möglicherweise mindern. Die Ankündigung stellt Payjoin als Standardeinstellung daher sowohl als Datenschutzfunktion als auch als routinemäßige Verwaltung von Ausgängen dar. Sie beziffert weder, wie viel konsolidiert werden dürfte, noch wie groß mögliche Auswirkungen auf die Gebühren sein könnten oder wie schnell sich Vorteile für das gesamte Netzwerk zeigen könnten.

Open-Source-Entwicklung und verbleibende Unklarheiten

Die Exchange-Funktion baut auf früheren Arbeiten an BULL Wallet auf. Im Dezember 2024 wurde die Wallet laut Quelle als erste Bitcoin-Wallet mit Payjoin V2 integriert. Dieses Vorhaben wurde als höchst experimentell beschrieben und in Zusammenarbeit mit Dan Gould und dem Team des Payjoin Dev Kit koordiniert, dessen Mitglieder später die Payjoin Foundation gründeten. Forschende nutzten die Erkenntnisse aus diesen Experimenten, um die Benutzererfahrung zu verbessern und die Funktion widerstandsfähiger gegen Angriffe zu machen.

Bull Bitcoin zufolge ist die Software, die Payjoin sowohl in der Wallet als auch in der Exchange ermöglicht, kostenlos und quelloffen. Die Integration des Unternehmens stützt sich eng auf die Arbeit der Payjoin Foundation. Damit verbindet sich die Einführung in der Exchange sowohl mit der Entwicklung außerhalb des Unternehmens als auch mit dem eigenen Wallet-Projekt. Die Quelle enthält keine unabhängigen Leistungstests, Nutzungszahlen oder technischen Vergleiche mit anderen Exchanges. Die praktischen Auswirkungen im großen Maßstab müssen daher noch belegt werden.

Um die Funktionen zu nutzen, müssen Kunden laut Ankündigung die BULL Wallet herunterladen, ein Bull-Bitcoin-Börsenkonto erstellen und sich über die mobile App bei diesem Konto anmelden; alles Weitere soll automatisch ablaufen. Damit beschreibt das Unternehmen den vorgesehenen Onboarding-Prozess, lässt jedoch Fragen zur regionalen Verfügbarkeit, zur Eignung von Transaktionen und zu den Kontrollmöglichkeiten der Nutzer offen. Auch die umfassenderen Datenschutzvorteile hängen von der Verbreitung ab: Bull Bitcoin zufolge kann eine stärkere Nutzung dem Netzwerk zugutekommen, eine Prognose zur Akzeptanz gibt das Unternehmen jedoch nicht ab.

Quelle: BitcoinMagazine