
Wichtige Punkte
- Bitcoin wurde nahe 77.500 US-Dollar gehandelt, rund 0,6 % weniger als am Vortag und etwa 30.000 US-Dollar weniger als ein Jahr zuvor.
- Die Zukunft des CLARITY Act hängt davon ab, ob der Kongress vor Beginn der neuen Sitzungsperiode am 3. Januar handelt.
- Bei Spot-Bitcoin-ETFs wurden am Freitag Abflüsse von 643,3 Millionen US-Dollar und am Montag weitere 399 Millionen US-Dollar verzeichnet.
Bitcoin steht vor einer politischen und marktbedingten Bewährungsprobe
Bitcoin wurde am Dienstagmorgen, als die Wahllokale für die Zwischenwahlen in den USA öffneten, nahe 77.500 US-Dollar gehandelt und gab im Tagesverlauf rund 0,6 % nach. Laut den im Bericht genannten Zahlen lag der Kurs außerdem etwa 30.000 US-Dollar unter dem Stand von vor einem Jahr. Die Wahl bringt eine politische Frage in einen ohnehin unter Druck stehenden Markt: Welche Partei den Kongress kontrolliert, könnte beeinflussen, ob die Abgeordneten einen ins Stocken geratenen Regulierungsrahmen für Märkte mit digitalen Vermögenswerten wiederbeleben oder voranbringen.
Das Gesetz, der CLARITY Act, wurde im Juli 2025 im Repräsentantenhaus mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet, scheiterte jedoch am 15. September in einer Cloture-Abstimmung im Senat mit 49 zu 50 Stimmen. Der Gesetzentwurf ist somit weiterhin offen und nicht verabschiedet. Sollte der Kongress vor Beginn der neuen Sitzungsperiode am 3. Januar nicht handeln, verfällt der Entwurf und müsste erneut eingebracht werden. Damit sind der Zeitpunkt und die Zusammensetzung des nächsten Kongresses entscheidend für seine Aussichten.
Prognosemärkte beziffern die Chancen der Demokraten, das Repräsentantenhaus zu übernehmen, auf 94 Prozent und die für den Senat auf 74 Prozent. Dabei handelt es sich um marktimplizierte Wahrscheinlichkeiten, nicht um bestätigte Wahlergebnisse. Ein demokratisch geführter Senat würde Senatorin Elizabeth Warren wahrscheinlich in die Position bringen, den Vorsitz des Bankenausschusses zu übernehmen. Analysten von TD Cowen bezeichnen einen vollständigen Wahlsieg der Demokraten als das wahrscheinlichste und für die Kryptoindustrie ungünstigste Ergebnis. Ein gespaltenes Parlament würde ihrer Einschätzung nach mehr Spielraum für eine engere Einigung lassen.
Nach einer Woche mit Verkäufen stehen Unterstützungsmarken im Fokus
Kryptogruppen haben mehr als 200 Millionen US-Dollar für die Zwischenwahlen ausgegeben und damit die Bemühungen der Branche unterstrichen, eine Wahl mit möglichen regulatorischen Folgen zu beeinflussen. Diese Ausgaben entscheiden jedoch nicht über das Schicksal des Gesetzentwurfs: Seine Verabschiedung im Repräsentantenhaus führte nicht zur Zustimmung des Senats, und die jüngste Abstimmung über die Beendigung der Debatte verfehlte die erforderliche Mehrheit. Für die Märkte kommt es kurzfristig darauf an, zwischen einem möglichen Weg zu einem neuen legislativen Kompromiss und dem Risiko zu unterscheiden, dass der bestehende Gesetzentwurf mit Beginn der neuen Sitzungsperiode verfällt.
Der Rückgang von Bitcoin setzte bereits vor dem Wahltag ein. Zu Beginn des Novembers lag der Kurs bei knapp 78.500 US-Dollar und war bis Dienstag um rund 2.000 US-Dollar gefallen. Zuvor hatte der Oktober mit einem Minus von etwa 7 Prozent geendet. Damit war es der zweite Oktober-Rückgang in Folge. Am 28. Oktober fiel Bitcoin unter 80.000 US-Dollar und damit erstmals seit Wochen, nachdem die US-Notenbank die Zinsen unverändert gelassen hatte und Alphabet sowie Samsung schwache Geschäftszahlen gemeldet hatten. Gleichzeitig wurden gehebelte Positionen im Umfang von rund 356 Millionen US-Dollar liquidiert.
Am folgenden Tag erschütterte ein noch größerer Schock die Kryptomärkte: Angreifer, die das FBI Nordkorea zuordnet, plünderten Binance-Hot-Wallets und erbeuteten rund 6,3 Milliarden US-Dollar. Dem Bericht zufolge war dies der größte Kryptodiebstahl aller Zeiten. Bitcoin hielt sich zunächst stabil, fiel am Freitag jedoch um etwa 4 Prozent. Gehebelte Positionen im Umfang von mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar wurden liquidiert. US-amerikanische Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten Abflüsse von 643,3 Millionen US-Dollar – den größten Tagesabfluss seit dem 25. Juni.
Inflation und Energie erschweren den Zinsausblick
Die ETF-Abflüsse setzten sich am Montag fort, als weitere 399 Millionen US-Dollar aus den Fonds abgezogen wurden. Bitcoin hatte sich bis Sonntagabend auf 78.491 US-Dollar erholt, bevor der Kurs am Montag und Dienstag erneut nachgab. Diese Entwicklung zeigt, dass die kurze Erholung den im Bericht beschriebenen Verkaufsdruck noch nicht umkehren konnte. ETF-Zuflüsse und -Abflüsse sowie Liquidationen geben Aufschluss darüber, wie Anleger und gehebelte Händler reagiert haben. Für sich genommen lässt sich daraus jedoch weder ableiten, ob der Rückgang anhält, noch ob sich der Markt stabilisiert.
Händler beobachten eine Unterstützungszone zwischen 76.264 und 76.476 US-Dollar, nahe dem exponentiellen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt. Sollte diese Zone nachgeben, ist laut Bericht das Septembertief von 74.967 US-Dollar das nächste relevante Niveau. Oberhalb des Marktes wird der EMA der letzten 50 Tage bei etwa 80.800 US-Dollar als erster Widerstand genannt. Der Crypto Fear & Greed Index lag am Montag bei 37 – ein Wert, der als Angst eingestuft wird und das Bild einer vorsichtigen Stimmung verstärkt.
Die Zinslage lässt sich weiterhin kaum als Entlastung interpretieren. Die Fed beließ ihre Zinsspanne am 28. Oktober mit einem Abstimmungsergebnis von 10 zu 2 bei 3,75 % bis 4,00 %; zwei Mitglieder sprachen sich abweichend für eine Erhöhung aus. Der Entscheidung war eine Zinserhöhung im September vorausgegangen, die erste seit Juli 2023. Polymarket bezifferte die Wahrscheinlichkeit einer Erhöhung im Dezember auf rund 71 % – das spiegelt Erwartungen wider, nicht eine bereits gefällte geldpolitische Entscheidung.
Wirtschaftsdaten und Gesetzgebung prägen die Beobachtungsliste
Inflations- und Wachstumsdaten verdeutlichen, warum die geldpolitische Debatte weiter anhält: Die Inflation der persönlichen Konsumausgaben lag im September im Jahresvergleich bei 3,6 %, während das BIP im dritten Quartal auf annualisierter Basis um 3,4 % wuchs. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erreichte Anfang Oktober 5,36 % – den höchsten Stand seit 2002 – und sank anschließend bis Montag auf etwa 4,91 %. Diese Indikatoren geben Aufschluss über die Finanzierungsbedingungen, doch der nächste Schritt der Fed bleibt ungewiss.
Die Ölpreise haben die Aussichten zusätzlich schwankungsanfällig gemacht. Brent-Rohöl gab am Montag um 7,7 % auf 104,66 US-Dollar je Barrel nach, nachdem Iran und die Vereinigten Staaten Gesprächsbereitschaft signalisiert hatten. Das war der stärkste Tagesrückgang seit Juli. Am Dienstag erholte sich der Preis teilweise auf rund 106,60 US-Dollar, nachdem Berichte über einen US-Angriff auf die iranische Insel Qeschm bekannt geworden waren. Störungen rund um die Straße von Hormus haben den Rohölpreis über 100 US-Dollar gehalten; dem Bericht zufolge setzen die erhöhten Energiekosten die Gesamtinflation unter Druck.
Der Kalender für die nähere Zukunft umfasst den Arbeitsmarktbericht für Oktober am Freitag; der Konsens liegt nach 29.000 im September bei etwa 65.000. Hinzu kommen die Verbraucherpreise für Oktober am 10. November und die nächste Zinsentscheidung der Fed am 9. Dezember. Binance soll am Mittwoch außerdem seine nächste Momentaufnahme des Reservennachweises vorlegen. Die Optionsmärkte wirkten ruhig: Der DVOL von Deribit lag bei etwa 36,5. Frühere November in Jahren mit Zwischenwahlen verliefen jedoch schwach: Bitcoin fiel im November 2018 um 36,6 % und im November 2022 um 16,2 % – beide Male während eines Bärenmarkts. Diese Präzedenzfälle bestimmen nicht, wie der aktuelle Monat ausgehen wird.
Quelle: BitcoinMagazine





