
Wichtige Punkte
- Die Mining-Schwierigkeit lag bei etwas über 148 Billionen und damit etwa 5 % unter dem Rekordwert von knapp 156 Billionen vom 29. Oktober 2025.
- Die Phase ohne neuen Schwierigkeitsrekord dauert inzwischen länger als die bisher längste Phase von rund 364 Tagen.
- Core Scientific plant, das Bitcoin-Mining bis zum Jahresende einzustellen und sich auf Colocation für KI und Hochleistungsrechnen zu konzentrieren.
Eine historische Phase ohne neuen Schwierigkeitsrekord
Laut dem bereitgestellten Bericht erlebt das Bitcoin-Mining eine ungewöhnlich lange Phase ohne neuen Höchststand bei der Schwierigkeit, obwohl das Netzwerk weiterhin wertvoll ist. Am 29. Oktober 2025 erreichte die Schwierigkeit fast 156 Billionen. Zum Zeitpunkt des Berichts lag sie bei etwas über 148 Billionen und damit etwa 5 % unter diesem Höchststand. Entscheidend ist nicht nur der jüngste Wert, sondern auch, wie lange das Netzwerk seinen Rekord schon nicht mehr übertroffen hat.
Der Zeitraum ohne neuen Schwierigkeitsrekord übertrifft inzwischen Bitcoins bisher längste Wartezeit auf einen solchen Rekord: Sie dauerte von August 2011 bis Juli 2012 rund 364 Tage. In dieser früheren Phase fiel der Bitcoin-Kurs laut Bericht um etwa 94 % bis 95 %. Dieser Vergleich ordnet die aktuelle Schwäche historisch ein, bedeutet jedoch nicht, dass beide Phasen dieselbe Ursache haben: Die derzeitige Verlangsamung tritt demnach ohne einen vergleichbaren Einbruch auf.
Der andere große historische Vergleich ist der Abschwung nach Chinas umfassendem Verbot des heimischen Krypto-Minings im Jahr 2021. Laut dem Bericht zwang diese Maßnahme einen erheblichen Teil der globalen Hashrate, den Standort zu verlagern. Saifedean Ammous, Autor von „The Bitcoin Standard“, bezeichnete die aktuelle Phase ohne Rekorde als die längste in der Geschichte von Bitcoin und betonte zugleich, dass sie sich ohne irgendetwas abgespielt habe, das auch nur annähernd mit dem China-Verbot vergleichbar wäre.
Halvings und Renditen setzen die Mining-Wirtschaftlichkeit unter Druck
Dieser Gegensatz lenkt den Blick weg von einem einzelnen einschneidenden Ereignis und hin zur Wirtschaftlichkeit des Mining-Betriebs. Ammous verweist auf die programmierten Bitcoin-Halvings, bei denen sich die Blocksubvention ungefähr alle vier Jahre halbiert. Da die Subvention eine wichtige Einnahmequelle für Miner ist, verändert ein Halving die Menge an Bitcoin, die sie für das Erzeugen von Blöcken erhalten. Miner müssen daher beurteilen, ob der Wert dieser geringeren Belohnung die für das Mining eingesetzten Geräte, den Strom und weitere Ressourcen finanzieren kann.
Ammous schätzt, dass der Wert von Bitcoin über einen Zeitraum von vier Jahren jährlich um fast 19 % steigen müsste, um den Rückgang der Subvention auszugleichen. Dabei bleiben die Auswirkungen einer Abwertung des Dollars und die steigenden Opportunitätskosten im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur unberücksichtigt, wie im Bericht beschrieben. Es geht um die Rendite, die Mining erzielen muss, um attraktiv zu bleiben, nicht um eine Prognose, ob Bitcoin einen bestimmten Kursanstieg erreichen wird oder nicht.
Wenn die erwarteten Mining-Renditen unter dieser Schwelle liegen, wird es laut Ammous zunehmend weniger attraktiv, zusätzliches Kapital und Strom in neue Mining-Kapazitäten zu investieren. Das trägt dazu bei zu erklären, warum die Schwierigkeitskennzahl auch ohne Verbot oder dramatischen Markteinbruch unter ihrem bisherigen Höchststand bleiben kann. Der Bericht legt weder dar, welcher Anteil der aktuellen Schwäche auf diese Berechnung zurückzuführen ist, noch beziffert er die jeweiligen Auswirkungen von Halvings, Vermögenspreisen oder Betriebskosten.
KI-Infrastruktur schafft eine Alternative für Miner
Eine weitere Veränderung ist der Wettbewerb um Strom und Rechenzentrumskapazitäten. Ammous zufolge haben Bitcoin-Miner nicht mehr denselben exklusiven Zugang zu günstigem Strom und Rechenzentrumsinfrastruktur, den sie früher hatten. KI-Unternehmen konkurrieren nun um diese Ressourcen und können den Betreibern von Anlagen möglicherweise eine profitablere Nutzung anbieten. Für manche Unternehmen beschränkt sich die praktische Wahl daher nicht darauf, weitere Mining-Maschinen hinzuzufügen oder den Betrieb einzustellen: Sie können ihre Infrastruktur auch für andere Kunden einsetzen.
Core Scientific ist das deutlichste Beispiel, das im Bericht angeführt wird. Das Unternehmen erklärte, es plane, das Bitcoin-Mining bis Ende des Jahres vollständig aufzugeben und 2027 als spezialisierter Anbieter von Colocation für KI und Hochleistungsrechnen zu beginnen. Es hat seine Mining-Flotte bereits um fast die Hälfte verkleinert und richtet Strom- und Rechenzentrumskapazitäten zunehmend auf Infrastrukturkunden aus. Der Plan veranschaulicht die strategische Entscheidung eines einzelnen Unternehmens und ist kein Beleg dafür, dass alle Miner denselben Schritt unternehmen.
Die im Bericht genannten Finanzzahlen zeigen, weshalb dieser Übergang für Core Scientific attraktiv sein könnte. Der Umsatz mit Colocation stieg im dritten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 58 % auf 215,4 Millionen US-Dollar, verglichen mit 15 Millionen US-Dollar ein Jahr zuvor. Diese Zahlen deuten auf ein rasches Wachstum in diesem Geschäftsbereich des Unternehmens hin, belegen für sich genommen jedoch nicht, dass anderen Minern dieselben Umsatzperspektiven offenstehen. Der Bericht enthält keinen branchenweiten Vergleich der Renditen aus KI-Colocation mit den Einnahmen aus dem Mining.
Was der Wandel für Bitcoin bedeuten könnte
Eine Verlagerung von Anlagen und Strom weg vom Mining könnte beeinflussen, wie manche Unternehmen ihr Kapital einsetzen. Die Folgen für Bitcoin sind jedoch nicht zwangsläufig eindeutig. Ammous argumentiert, dass Gelder, die andernfalls für Maschinen, Anlagen und Strom ausgegeben worden wären, direkt in Bitcoin fließen könnten, falls Mining weniger attraktiv wird als das bloße Halten von BTC. Dabei handelt es sich um einen möglichen wirtschaftlichen Effekt, nicht um eine berichtete Messung von Kapital, das bereits von Mining-Investitionen in direkte Bestände umgeschichtet wird.
Ammous erwartet außerdem, dass ein sinkender Stromverbrauch eine der hartnäckigsten Kritiken an Bitcoin und seinem Netzwerk abschwächen wird. Diese Einschätzung ergibt sich aus seiner Auffassung, dass weniger attraktive Mining-Ökonomik die für diese Tätigkeit eingesetzten Ressourcen verringern könnte. Der Bericht weist jedoch keinen gemessenen Rückgang des Stromverbrauchs des Netzwerks aus und stellt auch nicht fest, wie ein solcher Rückgang im Vergleich zu Veränderungen der Mining-Kapazität ausfallen würde. Die ökologische Auswirkung bleibt daher eine Erwartung und ist kein bestätigtes Ergebnis.
Wichtige Fragen sind weiterhin offen: ob der Schwierigkeitsgrad irgendwann einen neuen Rekord aufstellen wird, wie Miner auf den durch das Halving verursachten Erlösdruck reagieren werden und wie nachhaltig die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten durch KI sein wird. Die Quelle beziffert weder die gesamte Verlagerung von Strom oder Kapital noch zeigt sie, dass Core Scientifics Plan für die gesamte Branche steht. Bislang umfasst die vorgelegte Beweislage einen historischen Abstand beim Schwierigkeitsgrad, eine strukturelle Argumentation zu den Renditen und ein prominentes Beispiel für ein Unternehmen, das seine Kapazitäten umwidmet.
Quelle: CryptoPotato
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