
Wichtige Punkte
- EIP-8037 würde die Gaskosten für das Anlegen neuer Zustände erhöhen. Laut Entwicklern könnten dadurch einige Verträge mit festgelegten Gas-Annahmen ausfallen.
- Ein Entwickler verwies auf eine Liste mit 200.000 möglicherweise betroffenen Verträgen und argumentierte, dass die verwendeten Methoden weitere Fälle übersehen könnten.
- Kernentwickler werden aufgefordert, mehr Daten zu erheben und die Sache zu prüfen, bevor Glamsterdam im Mainnet eingeführt wird.
Warum Glamsterdams Gas-Vorschlag infrage gestellt wird
Entwickler fordern, das geplante Ethereum-Upgrade Glamsterdam in seiner aktuellen Form auszusetzen. Im Mittelpunkt des unmittelbaren Streits steht EIP-8037, ein Vorschlag zur Erhöhung der Gaskosten für das Anlegen neuer Zustände, darunter Speichereinträge und neue Verträge. Kritiker argumentieren, dass die Änderung sowohl bestehende Anwendungen als auch künftige Bereitstellungen betreffen könnte. Daher ist die Kompatibilität des Vorschlags mit bereits eingesetztem Code eine zentrale Frage bei der Konzeption und Prüfung des Upgrades.
Die technische Sorge besteht darin, dass manche Verträge für bestimmte Vorgänge eine feste Gasmenge vorgeben oder prüfen, wie viel Gas während einer Transaktion noch übrig ist. Werden die betreffenden Vorgänge durch EIP-8037 teurer, steht diesen Aufrufen möglicherweise nicht mehr genug Gas zur Verfügung, um abgeschlossen zu werden. Das bedeutet nicht, dass jeder Vertrag ausfallen wird. Es ist vielmehr eine Warnung, dass sich Code, der auf Annahmen zu den Gaskosten beruht, nach der Änderung anders verhalten könnte.
Die Folgen könnten für betroffene Anwendungen ungewöhnlich schwer rückgängig zu machen sein. Bereitgestellte Smart Contracts sind unveränderlich, sodass Entwickler den ursprünglichen Code nicht einfach anpassen können, um höhere Kosten zu berücksichtigen. Kritiker warnen, dass fehlgeschlagene Aufrufe dazu führen könnten, dass in manchen Contracts gehaltene Gelder unzugänglich werden. Aus der Quelle geht weder hervor, welche Nutzer oder Contracts letztlich betroffen wären, noch ob sich eine Lösung entwickeln lässt, die eine Änderung des Upgrades oder seines Aktivierungspfads vermeidet.
Uneinigkeit über Auswirkungen und Belege
Ein bekannter DeFi-Entwickler verwies auf eine Liste im Repository ethereum/repricing-impact, die seiner Aussage nach bereits 200.000 betroffene Contracts umfasste. Außerdem argumentierte er, methodische Schwächen könnten dazu führen, dass in der Liste weitere Fälle fehlen. Die Zahl wird daher als Teil der Einschätzung eines Entwicklers dargestellt und nicht als bestätigte Gesamtzahl der Contracts, bei denen es zu Ausfällen kommen wird. Umfang und Vollständigkeit der Analyse bleiben umstritten.
Derselbe Entwickler sagte, die Auswirkungen könnten auch die Bereitstellung und den Betrieb mehrerer bekannter Protokolle betreffen und seien nicht auf obskuren oder selten genutzten Code beschränkt. Seine Kritik richtet sich sowohl gegen die vorgeschlagene Neufestsetzung der Kosten als auch gegen die Art und Weise, wie ihre Auswirkungen bewertet wurden. Der vorliegende Bericht nennt die Protokolle nicht und bestätigt die behauptete Tragweite nicht unabhängig. Die Warnung unterstreicht daher, dass Belege für jeden einzelnen Fall nötig sind, statt abschließend zu klären, wie groß das Risiko ist.
Ein anderer Entwickler sagte, sein Team habe dieselben Probleme erkannt, bevor Glamsterdam im Sepolia-Testnetz live ging und bevor später ein Sicherheitsunternehmen darauf hinwies. Diese Darstellung wirft Fragen dazu auf, wann die relevanten Bedenken aufkamen und wie sie in die Überprüfung einflossen. Für sich genommen belegt sie weder, dass das Testnetz alle möglichen Fehler offengelegt hat, noch, dass die vorgeschlagene Änderung in einem Live-Netzwerk bereits Schaden verursacht hat.
Befürworter überdenken die Argumente für mehr Geschwindigkeit
Widerspruch kam von Entwicklern und Personen aus der breiteren technischen Community von Ethereum. Der Gründer von Curve Finance warnte, dass das Upgrade zu einem Notfall-Hardfork führen könnte, der die Änderung rückgängig macht, während ein anderer DeFi-Entwickler den Vorschlag als unvernünftig bezeichnete. Auch ein Vorstandsmitglied der Ethereum Foundation wandte sich dagegen, einen Fork voranzutreiben, der Annahmen verletzen könnte, die zuvor als unveränderliche Eigenschaften galten. Ihre Kommentare signalisieren erhebliche Bedenken, aber keine endgültige Entscheidung der Core-Entwickler.
Die Debatte führte auch dazu, dass ein einflussreiches Mitglied der Ethereum-Community öffentlich von seiner Position abrückte, nachdem es zunächst dafür plädiert hatte, Glamsterdam so bald wie möglich zu aktivieren. Er hatte argumentiert, Ethereum garantiere den Zugang zum Netzwerk, nicht bestimmte Gaspreise. Stunden später erklärte er, das Upgrade solle nicht in diesem schnellen Zeitplan erfolgen, räumte ein, dass seine frühere Position falsch gewesen sei, und bezeichnete das Problem als ernster, als allgemein angenommen werde.
Zur Erklärung seiner veränderten Sichtweise sagte der Befürworter, die Community habe bei Design, sorgfältiger Prüfung und öffentlicher Kommunikation insgesamt versagt. Besonders hob er die Gas-Introspektion als ernstes Problem hervor, das sofortige Aufmerksamkeit und deutlich mehr Transparenz erfordere. Diese Kommentare verlagern die Debatte über die Mechanismen der Neubepreisung hinaus: Von den Entwicklern wird auch verlangt zu zeigen, wie Risiken bewertet und Erkenntnisse geteilt wurden und ob betroffene Projekte eine echte Gelegenheit hatten, Stellung zu beziehen.
Zeitplan des Upgrades und offene Fragen
Die aktuelle Kontroverse um Glamsterdam folgt auf eine frühere Verzögerung. Im Oktober verschoben die Core-Entwickler einen Glamsterdam-Test im Hoodi-Testnetz, nachdem Sicherheitsforscher auf Risiken hingewiesen hatten. Glamsterdam ist eines von zwei großen Ethereum-Upgrades, die die Entwickler für 2026 geplant hatten. Die frühere Verzögerung zeigt, dass Bedenken bei der Überprüfung die Tests bereits beeinflusst haben. Aus den vorliegenden Informationen geht jedoch nicht hervor, wie die Erkenntnisse aus Hoodi mit den aktuellen Einwänden gegen EIP-8037 zusammenhängen oder welche Änderungen darauf folgten.
Die Core-Entwickler stehen nun unter Druck, mehr Daten zu veröffentlichen, bevor Glamsterdam das Mainnet erreicht. Die praktische Frage ist, ob weitere Tests und Analysen ermitteln können, welche Verträge von den geänderten Gas-Annahmen abhängen und welche Abhilfemaßnahmen es gibt, wenn sich diese Verträge nicht patchen lassen. Die Quelle nennt weder einen endgültigen Zeitplan noch einen überarbeiteten Vorschlag oder eine Entscheidung der Core-Entwickler. Daher ist weiterhin unklar, ob das Upgrade nach zusätzlicher Prüfung verschoben, geändert oder vorangetrieben wird.
Der Streit entwickelt sich parallel zu anderen Entwicklungen bei Ethereum, ohne dass die Quelle einen ursächlichen Zusammenhang zwischen ihnen herstellt. Ethereum-ETFs verzeichneten seit ihrem Start ihren schlechtesten Monat bei den Mittelzuflüssen, während Mitgründer Vitalik Buterin das anschließende Hegota-Upgrade als Ethereums letzten „normalen“ Fork bezeichnet hat. Diese Punkte bieten Kontext für eine intensive Upgrade-Phase, beantworten aber nicht die technischen Fragen rund um Glamsterdam. Vorerst bleibt unklar, ob die Änderungen an den Gaspreisen umgesetzt werden können, ohne bestehende Verträge zu beeinträchtigen.
Quelle: BeInCrypto






